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Oskar Kokoschka und seine Alma Mahler Puppe

1912 lernte Alma den jungen Maler Oskar Kokoschka kennen, der als enfant terrible der Wiener Kunstszene galt. Er war gewalttätig und ungezügelt, die Presse verhöhnte ihn als »Oberwildling«. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine zügellose amour fou, eine intensive sexuelle Beziehung, nur unterbrochen von den Stunden, in denen Alma ihrem Liebhaber Modell stand. Wenn er sie nicht liebte, malte er sie. Kokoschkas verschlingende Leidenschaft verwandelte sich bald in Unterwerfung, seine Eifersucht in Besessenheit. Kokoschkas Mutter sprang ihrem Sohn bei und schrieb an Alma: »Wenn Sie Oskar wiedersehen, werde ich Sie erschießen!» Kokoschkas berühmtestes Gemälde, die »Windsbraut«, ist Zeuge dieser leidvollen Zeit. Als Alma 1915 von ihm schwanger wurde, das Kind aber abtreiben ließ, versetzte sie ihm damit einen Schlag, den er nie verwinden konnte. Seinen physischen Untergang besiegelte sie, als sie ihn als Freiwilligen an die Front schickte, wo er durch einen Bajonettstich schwer verwundet wurde. Noch mehr schmerzte ihn aber die Nachricht von Almas Heirat mit Walter Gropius. In tiefster Desperation bestellte Kokoschka bei einer Puppenmacherin in München eine lebensgroße Puppe, die Alma in allen Details glich und mit deren Hilfe er sich über den Verlust der verlorenen Geliebten hinwegzutrösten gedachte. 1 Die Enttäuschung war groß, der Puppen-Fetisch konnte Kokoschkas erotischen Anforderungen kaum erfüllen und erfuhr schließlich eine Verwandlung zum Modell. Der Versuch, die tote Materie zum Leben zu erwecken und über die erkannte Unzulänglichkeit hinwegzutäuschen, kennzeichnet viele Werke, die Kokoschka nach dem Fetisch schuf. Eines der eindrucksvollsten und unmittelbarsten Zeugnisse von Kokoschkas Fetisch aber ist das Gemälde, das die blau gekleidete Alma-Puppe auf dem Sofa wiedergibt. Kurt Pinthus erinnerte sich rückblickend an einen Besuch in Kokoschkas Atelier: »In Kokoschkas Wohnraum, auf dem Sofa, hinter dem runden Tisch, saß lebensgroß, schimmernd weiss, gekrönt von kastanienbraunem Haar, einen blauen Mantel um die Schulter, die Puppe, der Fetisch, die künstliche Frau, die ideale Geliebte, das ideale Modell.« Kokoschka: „Endlich, nachdem ich sie hundertmal gezeichnet und gemalt hatte, habe ich mich entschlossen, sie zu vernichten. Die Puppe hatte mir die Leidenschaft gänzlich ausgetrieben. Ich machte also ein großes Champagner-Fest mit Kammermusik, während dessen mein Kammermädchen Hulda die Puppe mit all ihren schönen Kleidern zum letzten Mal vor- führte. Als der Morgen graute – ich war wie alle anderen sehr betrunken – habe ich im Garten der Puppe den Kopf abgehackt und eine Flasche Rotwein darüber zerschlagen. Am nächsten Tag schauten ein paar Polizisten zufällig durch das Gartentor, erblickten wie sie meinten den blut überströmten Körper einer nackten Frau, und stürzten in der Verdächtigung eines Liebesmordes ins Haus hinein. Genau genommen war es das auch, denn an jenem Abend hab ich die Alma ermordet…“ 2   1 http://www.alma-mahler.at/deutsch/almas_life/kokoschka.html 2 http://www.alma-mahler.at/deutsch/almas_life/puppet.html

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